© DAV Tuttlingen/Henrik Basler

Mountainbike am Reschensee

Trailspaß mit 3.000 Tiefenmetern

26.09.2026

Der Plan war einfach: einmal rund um den Reschensee mit Unterstützung von zwei Bergbahnen. Das Ergebnis: 700 schweißtreibende Höhenmeter bergauf, rund 3.000 Tiefenmeter bergab, unzählige Wurzeln, Steine und Grinser im Gesicht.

Bei bestem Bike-Wetter starteten wir unsere Runde in St. Valentin auf der Haide. Die Haideralm-Bahn nahm uns gleich zu Beginn einen Teil der Höhenmeter ab und brachte uns entspannt in die Höhe. Entspannt blieb es allerdings nicht lange. Auf dem Plattweg-Trail warteten zahlreiche verblockte Gegenanstiege, die deutlich mehr Kraft kosteten als zunächst erwartet. Der erste Vorgeschmack darauf, dass diese Runde kein reiner Flow-Tag werden würde.

Eigentlich sollte es anschließend mit der Schöneben-Bergbahn weitergehen. Doch die Bahn stand still. Also hieß es: Zähne zusammenbeißen und über den Ziehweg parallel zum Oberen Spintrail selbst nach oben kurbeln. Oben an der Bergstation angekommen, wurden wir dafür mit dem Oberen Schöneben-Trail belohnt. Der Trail verlangt Konzentration und eine saubere Linienwahl. Technisch anspruchsvoll, überwiegend wurzelig und definitiv nichts zum Herunterrollen.

Nach dem Transfer zur Rescher Alm war zunächst eine wichtige Maßnahme angesagt: Kalorien nachladen. Gut gestärkt ging es weiter auf den legendären 3-Länder-Trail. Die Mischung aus alpiner Landschaft, flowigen Abschnitten und technischen Herausforderungen macht seinen Ruf mehr als verdient. Es geht nun vorbei am Grünsee, der idyllisch unterhalb des namensgebenden Dreiländerecks Italien/Schweiz/Österreich am Piz Lad liegt und wie ein Postkartenmotiv wirkt. Die Ruhe hielt allerdings nicht lange an. Es folgte das, was wir später nur noch als das Wurzel-Inferno bezeichneten. Ein schier endloses Wurzelfeld forderte Fahrer und Material gleichermaßen.

Ein kurzer Abstecher führte uns anschließend zum Schwarzen See, bevor wir über den 3-Länder-Transferweg Richtung Elven-Trail weiterrollten. Dieser schwarze Trail war offiziell wegen Waldarbeiten gesperrt. Da es Samstag war und keine Arbeiten stattfanden, beschlossen wir trotzdem weiterzufahren. Die Entscheidung brachte spektakuläre Trailmeter, aber auch einige der anspruchsvollsten Passagen des Tages. Technisch war der Trail (für uns) extrem schwierig und verlangte volle Aufmerksamkeit.

Nach dem Transferweg durch Nauders am Schloss Naudersberg vorbei brachte uns die Bergkastel-Seilbahn erneut nach oben. Über den Almtrail erreichten wir die Stieralm, wo sich die beeindruckende Bergkulisse noch einmal von ihrer schönsten Seite zeigte.

Danach wurde es hektisch. Um die letzte Bergfahrt nicht zu verpassen, ging es mit ordentlich Tempo über den Bergkastel-Trail hinunter. Pünktlich erreichten wir die Talstation, nutzten die letzte Auffahrt und genossen ein weiteres Mal den Almtrail. Mit dem Plamort-Trail folgte einer der landschaftlichen Höhepunkte der Tour. Vorbei an den historischen Panzersperren öffnete sich der Blick auf den Reschensee. Am berühmten Reschensee-Aussichtsfelsen legten wir einen Fotostopp ein. Bei diesem Panorama wäre alles andere eine Verschwendung gewesen.

Zum Schluss warteten noch einmal echte Herausforderungen. Der Bunkertrail zeigte sich von seiner anspruchsvollen Seite und forderte die inzwischen müden Arme und Beine noch einmal ordentlich. Anschließend führte uns der Etschtrail hinunter nach Reschen am See.

Am berühmten Kirchturm von Alt-Graun vorbei näherten wir uns langsam wieder dem Ausgangspunkt. Die letzten Kilometer nach St. Valentin auf der Haide zogen sich spürbar. Die Beine waren schwer und der Magen meldete sich inzwischen deutlich zu Wort.

Als wir schließlich am Hotel ankamen, waren wir gleichermaßen erschöpft wie zufrieden. Hinter uns lagen rund 700 selbst erarbeitete Höhenmeter bergauf, etwa 3.000 Tiefenmeter bergab, mehrere der besten Trails der Region und ein Mountainbike-Tag, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Fazit: Die Reschensee-Runde ist keine gemütliche Panoramatour, sondern ein echtes Trail-Abenteuer. Technische Schlüsselstellen, wurzelige Herausforderungen, großartige Berglandschaften und einige der bekanntesten Trails der Alpen machen sie zu einer der beeindruckendsten MTB-Runden, die man am Reschenpass fahren kann. Wer am Ende noch Kraft in den Armen hat, hat etwas falsch gemacht.

MTB am Reschensee Tag 2

Meine Frau und ich waren ja schon eine Woche vorher an den Reschensee angereist, um dort Urlaub zu machen. Leider war Ute schon etwas erkältet angereist und auch der ständige Wind am Reschensee – in der Höhe recht kalt, hatten mir etwas zugesetzt, so dass ich am Vortag, bevor die restliche Truppe anreiste, einen leichten grippalen Infekt bekam. Was als Guide jetzt nicht so geschickt ist.

So musste ich mich am Anreisetag der Kollegen etwas schonen – so dass ich dann nicht die ganzen Tage ausfalle. So bin ich mit Jens & Michael am Samstag nicht mit auf die große Reschenseegrunde losgezogen, sondern habe ihnen „nur“ einen Track zum navigieren zusammengestellt und mitgegeben. Aber Jens kannte die Runde auch schon.

Als dann mittags Eddi eintraf, habe ich mich mit ihm aufgemacht, die Haideralmtrails zu inspizieren- hier kann man nämlich mit der Bahn direkt vom Hotel aus starten & kommt auch direkt beim Hotel wieder raus. Unbedingt wollte ich mal den Haideralmtrail inspizieren, den ich noch nicht gefahren war – er soll ja der schwierigste Trail rund um den Reschensee sein. Den haben wir uns dann als Erstes vorgenommen – war auch ca. 700 Tm ziemliches Gerüttel – kaum eine Sekunde mal abschalten – auf jeden Fall zu Recht als sehr anspruchsvoll in vielen Magazinen beschrieben.

Nach einem etwas ruhigeren Tag konnte ich dann am Sonntag die ganz besondere Tour anführen.

Für die meisten in unserer Gruppe war das eine Premiere – hier in der Region nennt man das Gipfelbiketour – sonst auch gerne mal Bike-Bergsteigen.

Im Prinzip ist das wie Skitourengehen – nur mit Mountainbike.

 

Wir starteten in der Frühe von unserer genialen Unterkunft – dem Ortlerspitz – wunderbar am Ufer des Haidersees gelegen. Der Tag begann für uns immer herrlich mit einer Aussicht auf Haidersee & Ortlermassiv. Und Abends wurde wir immer mit einem kulinarischen Highlight nach dem Anderen verwöhnt.

Zunächst ging es hinter St. Valentin durch einen Lärchenwald, den die milde Herbstsonne golden strahlen ließ und durch die obere Malser Heide hinein in den Berg. Und dann – etwas über 1.000 immer rauf. Die letzten etwas über 300 Hm musste das Bike dann geschoben & getragen werden. Oder mit dem EBike auch einiges noch zu Fahren. Für mich dann – angeschlagen – eine echte Belastungsprobe. Aber der Gipfelsieg am Ende eine schöne Belohnung. Herrliche Aussichten auf Haidersee, Reschensee, Val Mustair, Malser Heide und Ortlergruppe belohnen für

die Mühe & eine sehr milde Herbstsonne –ausnahmsweise mal ohne Wind lädt zu einen Gipfelvesper und ausgiebigem Verweilen ein.

So konnten wir uns dann etwas erholt auf eine epische, 1.300 Tm lange Abfahrt hinab nach Mals hinabbegeben. Sehr abwechslungsreich – oben, klassischer Hochgebirgstrail – Spitzkehren, etwas geröllig & über Felsen, manchmal etwas ausgesetzt. Später über Almwiesen und durch schöne Waldtrails. Am Ende standen uns aber noch harte, steile 400 Hm zurück nach Mals auf dem Programm. Erschöpft aber glücklich, nach ca. 37 km und 1.500 Hm erreichten wir unsere Unterkunft, entspannten im Wellness-Bereich und ließen uns kulinarisch verwöhnen.