Der Plan war einfach: einmal rund um den Reschensee mit Unterstützung von zwei Bergbahnen. Das Ergebnis: 700 schweißtreibende Höhenmeter bergauf, rund 3.000 Tiefenmeter bergab, unzählige Wurzeln, Steine und Grinser im Gesicht.
Bei bestem Bike-Wetter starteten wir unsere Runde in St. Valentin auf der Haide. Die Haideralm-Bahn nahm uns gleich zu Beginn einen Teil der Höhenmeter ab und brachte uns entspannt in die Höhe. Entspannt blieb es allerdings nicht lange. Auf dem Plattweg-Trail warteten zahlreiche verblockte Gegenanstiege, die deutlich mehr Kraft kosteten als zunächst erwartet. Der erste Vorgeschmack darauf, dass diese Runde kein reiner Flow-Tag werden würde.
Eigentlich sollte es anschließend mit der Schöneben-Bergbahn weitergehen. Doch die Bahn stand still. Also hieß es: Zähne zusammenbeißen und über den Ziehweg parallel zum Oberen Spintrail selbst nach oben kurbeln. Oben an der Bergstation angekommen, wurden wir dafür mit dem Oberen Schöneben-Trail belohnt. Der Trail verlangt Konzentration und eine saubere Linienwahl. Technisch anspruchsvoll, überwiegend wurzelig und definitiv nichts zum Herunterrollen.
Nach dem Transfer zur Rescher Alm war zunächst eine wichtige Maßnahme angesagt: Kalorien nachladen. Gut gestärkt ging es weiter auf den legendären 3-Länder-Trail. Die Mischung aus alpiner Landschaft, flowigen Abschnitten und technischen Herausforderungen macht seinen Ruf mehr als verdient. Es geht nun vorbei am Grünsee, der idyllisch unterhalb des namensgebenden Dreiländerecks Italien/Schweiz/Österreich am Piz Lad liegt und wie ein Postkartenmotiv wirkt. Die Ruhe hielt allerdings nicht lange an. Es folgte das, was wir später nur noch als das Wurzel-Inferno bezeichneten. Ein schier endloses Wurzelfeld forderte Fahrer und Material gleichermaßen.
Ein kurzer Abstecher führte uns anschließend zum Schwarzen See, bevor wir über den 3-Länder-Transferweg Richtung Elven-Trail weiterrollten. Dieser schwarze Trail war offiziell wegen Waldarbeiten gesperrt. Da es Samstag war und keine Arbeiten stattfanden, beschlossen wir trotzdem weiterzufahren. Die Entscheidung brachte spektakuläre Trailmeter, aber auch einige der anspruchsvollsten Passagen des Tages. Technisch war der Trail (für uns) extrem schwierig und verlangte volle Aufmerksamkeit.
Nach dem Transferweg durch Nauders am Schloss Naudersberg vorbei brachte uns die Bergkastel-Seilbahn erneut nach oben. Über den Almtrail erreichten wir die Stieralm, wo sich die beeindruckende Bergkulisse noch einmal von ihrer schönsten Seite zeigte.
Danach wurde es hektisch. Um die letzte Bergfahrt nicht zu verpassen, ging es mit ordentlich Tempo über den Bergkastel-Trail hinunter. Pünktlich erreichten wir die Talstation, nutzten die letzte Auffahrt und genossen ein weiteres Mal den Almtrail. Mit dem Plamort-Trail folgte einer der landschaftlichen Höhepunkte der Tour. Vorbei an den historischen Panzersperren öffnete sich der Blick auf den Reschensee. Am berühmten Reschensee-Aussichtsfelsen legten wir einen Fotostopp ein. Bei diesem Panorama wäre alles andere eine Verschwendung gewesen.
Zum Schluss warteten noch einmal echte Herausforderungen. Der Bunkertrail zeigte sich von seiner anspruchsvollen Seite und forderte die inzwischen müden Arme und Beine noch einmal ordentlich. Anschließend führte uns der Etschtrail hinunter nach Reschen am See.
Am berühmten Kirchturm von Alt-Graun vorbei näherten wir uns langsam wieder dem Ausgangspunkt. Die letzten Kilometer nach St. Valentin auf der Haide zogen sich spürbar. Die Beine waren schwer und der Magen meldete sich inzwischen deutlich zu Wort.
Als wir schließlich am Hotel ankamen, waren wir gleichermaßen erschöpft wie zufrieden. Hinter uns lagen rund 700 selbst erarbeitete Höhenmeter bergauf, etwa 3.000 Tiefenmeter bergab, mehrere der besten Trails der Region und ein Mountainbike-Tag, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Fazit: Die Reschensee-Runde ist keine gemütliche Panoramatour, sondern ein echtes Trail-Abenteuer. Technische Schlüsselstellen, wurzelige Herausforderungen, großartige Berglandschaften und einige der bekanntesten Trails der Alpen machen sie zu einer der beeindruckendsten MTB-Runden, die man am Reschenpass fahren kann. Wer am Ende noch Kraft in den Armen hat, hat etwas falsch gemacht.